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Hygienekonzepte

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AKTUELL

Verfügungen für den Landkreis Gießen vom 23.10.2020

  • private Feiern sind nur noch mit maximal zehn Personen zulässig (bisher 25 Personen).
  • Anwesende bei Trainings- und Wettkampfveranstaltungen – außer den Sporttreibenden – müssen Mund-Nasen-Bedeckungen tragen. Zuschauer bei Trainings- und Wettkampfveranstaltungen in Innenräumen sind nicht zulässig. Im Freien sind maximal 100 Zuschauer zulässig. Das Gesundheitsamt entscheidet auf Antrag im Einzelfall, ob und unter welchen Auflagen eine höhere Zuschauerzahl gestattet werden kann.
  • Für Besuche von Kinos, Theatern und Vergnügungsstätten sowie die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen sowie Zusammenkünften von Glaubensgemeinschaften, Gottesdiensten und Trauerfeiern gilt grundsätzlich die Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen – auch am Sitzplatz.
  • Veranstaltungen sind nur mit maximal 100 Personen zulässig. Auch hier entscheidet das Gesundheitsamt auf Antrag im Einzelfall, ob und unter welchen Auflagen eine höhere Personenzahl gestattet werden kann. Bei Veranstaltungen sowie in Gaststätten müssen für jede anwesende Person mindestens drei Quadratmeter begehbare Fläche vorhanden sein.
  • Es gilt die dringende Empfehlung des Tragens von Mund-Nasen-Bedeckungen an Schulen auch während des Präsenzunterrichts ab der fünften Klasse.

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Veranstalter:innen erstellen ein Schutzkonzept unter Berücksichtigung von Besucher:innen und Mitwirkenden unter Beachtung der geltenden
Rechtslage und der arbeitsmedizinischen Schutz- und Vorsorgeregelungen. Das Hygienekonzept ist auf Verlangen der zuständigen Behörde (oft Ordnungsamt) vorzulegen. Dem Gesundheitsamt sind derzeit (Stand 13. Oktober 2020) nur Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 199 Besucher:innen anzuzeigen.

Wichtigste Inhalte des Hygienekonzeptes:

  • Reduzierung von Kontaktmöglichkeiten und Sicherstellung der Einhaltung von Mindestabständen
  • Begrenzung der Personenzahl in Relation zur Raumgröße
  • Art und Sicherstellung einer ausreichenden Belüftung bei geschlossenen Räumlichkeiten
  • Angebot der Möglichkeiten zur Händehygiene
  • Art und Intervalle der notwendigen Reinigung der Kontaktflächen
  • Maßnahmen zur Kontaktpersonennachverfolgung

Nachfolgend einige Aspekte, die bei der Erstellung eines Hygienekonzeptes für Veranstaltungen (bestuhltes Publikum) Beachtung finden sollten. Diese sind allgemein gehalten und nicht alle für jede Räumlichkeit zutreffend und müssen entsprechend angepasst werden.
Stand: 13. Oktober 2020, Land Hessen

Generell

  • Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird angeraten.
  • Die Besucher erreichen die einzelnen Plätze entlang eines Einbahnwegeleitsystems.
  • Auf Körperkontakt wird verzichtet
    (keine Begrüßung oder Verabschiedung mit Handkontakt oder Umarmen etc.).
  • Hygieneregeln einhalten (Händewaschen, Hust- und Nies-Etiquette).
  • Regelmäßiges intensives Lüften der Räumlichkeiten.
  • Im Eingangsbereich des Geländes werden Desinfektionsmittel bereitgestellt.
  • Regelmäßige Reinigung / Desinfektion von Türklinken und Ober- und Bodenflächen
  • Türen und Zugänge werden, soweit möglich, offen gehalten, sodass kein:e Zuschauer:in unnötig Türgriffe berühren muss.
  • Gemeinsam genutzte Arbeitsmittel wie z.B. Computer, Telefon und Werkzeuge sind nach jedem Gebrauch durch den Benutzer zu desinfizieren. Empfohlen wird die Benutzung mit Schutzhandschuhen.
  • Von gemeinsamem (Mit-)Singen ist abzusehen.
  • Aushänge zu den erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen werden gut sichtbar angebracht.
  • Es werden geeignete Maßnahmen zur Steuerung des Zutritts und der Vermeidung von Warteschlangen getroffen.
  • Markierungen im Abstand von 1,50 m auf dem Boden im Ein- und Ausgangsbereich sowie an möglichen Engpaßstellen (Kassen, Ticketkontrollen …)
  • Es dürfen keine Gegenstände zwischen Personen, die nicht einem gemeinsamen Hausstand angehören, entgegengenommen und anschließend weitergereicht werden.
  • Eventuelle Infektionsketten sollen nachvollzogen werden können. Dazu ist die Sammlung und DSGVO-konforme Aufbewahrung von Name, Anschrift und Telefonnummer der Besucher, Aussteller und Musiker gewährleistet. Bei offenkundig falschen Angaben (Pseudonymen, »Spaßnamen«) sollte auf die korrekte Angabe der personenbezogenen Daten hingewirkt oder vom Hausrecht Gebrauch gemacht werden. Die Bestimmungen der Art. 13 (Informationspflicht), 15 (Auskunftsrecht), 18 (Recht auf Einschränkung der Verarbeitung) und 20 (Recht auf Datenübertragbarkeit) DS-GVO finden keine Anwendung; die Teilnehmer:innen sind über diese
    Beschränkungen zu informieren.

Sanitäranlagen

  • Die maximal zulässige Personenzahl in Sanitäranlagen / WC ist an der Tür zu kennzeichnen.
  • Auf allen Toiletten befinden sich ausreichend Flüssigseife und Einmalhandtücher sowie Handdesinfektionsmittel. Das verwendete Handdesinfektionsmittel ist mit mindestens „begrenzt viruzid“ klassifiziert.
  • Bei  den Waschgelegenheiten werden gut sichtbar Infographiken zur Handhygiene angebracht.
  • Haartrockner können verwendet werden, wenn ein Abstand von mindestens 2,0 m zwischen den Geräten besteht. Die Griffe der Haartrockner müssen regelmäßig desinfiziert werden.
  • Lüftung in Toilettenräumen dauerhaft laufen lassen.

Mitarbeiter:innen

  • Die auftretenden Künstler:innen, Artist:innen … sowie externe Dienstleister z.B. aus den Bereichen Sicherheit, Gastronomie, Reinigung … werden über die geltenden Vorgaben informiert.
  • Mitarbeiter.innen tragen während ihres gesamten Aufenthaltes einen Mund-/Nasenschutz, ein transparentes Visier und Handschuhe, die sie im Abstand von 30 Minuten wechseln. Zu Beginn ihrer Arbeitsschicht desinfizieren sie sich die Hände.
  • Mitarbeiter:innen mit erkennbaren Krankheitssymptomen (auch leichtes Fieber und Erkältungsanzeichen) haben der Arbeit fernzubleiben und bis zu einer ärztlichen Abklärung und Entwarnung zu Hause zu bleiben. Bei Symptomen, die während der Arbeit auftreten, ist die Veranstaltung unverzüglich zu verlassen. Alle Mitwirkenden sind darauf hinzuweisen.
  • Bei Beginn und Ende der Arbeitszeit und der Lage der Arbeitspausen ist zu vermeiden, dass es zu einem engen Zusammentreffen mehrerer Mitarbeiter:innen (zum Beispiel in Aufnethaltsräumen, Kantinen, Umkleideräumen, Waschräumen und Duschen), einer erschwerten Umsetzung der Abstandsregel oder nicht unerheblichen Verzögerungen für die Mitarbeiter:innen kommt.

Publikum

  • Personen, die offensichtlich Symptome zeigen, erhalten keinen Zutritt.
  • Maskenpflicht bis zum Erreichen des Platzes bzw. ab dem Verlassen des Platzes.
  • In geschlossenen Räumen mit Zuschauerplätzen erfolgt eine personalisierte Sitzplatzvergabe, wobei aneinandergrenzende Sitzplätze von Personen eingenommen werden, denen der gemeinsame Aufenthalt im öffentlichen Raum nach § 1 Abs. 1 Satz 1 und 2 gestattet ist (Einzelpersonen, Gruppen bis zu 10 Personen oder Personen aus zwei Hausständen).
  • Zwischen diesen jeweiligen Einzelpersonen oder Gruppen ist der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.
  • Die personalisierte Sitzplatzvergabe bedeutet nicht, dass zwingend ein Reservierungssystem bestehen muss. Es ist auch ein spontanes Placement oder – bei bekanntem Teilnehmerkreis – ein geplantes Placement möglich. Es empfiehlt sich bei der personalisierten Sitzplatzvergabe zu dokumentieren, wer wo sitzt. Je nach Größenordnung kann der Einsatz von Sitzplatzanweiser:innen sinnvoll sein oder Ein- und Auslass in verschiedenen Time-Slots zu organisieren.
  • Auf Pausen im Programm sollte verzichtet werden.
  • Veranstaltungen in geschlossenen Räumen müssen nicht mit der Einnahme von Sitzplätzen verbunden sein, bei Veranstaltungen ohne Einnahme von Sitzplätzen muss aber in jedem Fall der Mindestabstand von 1,5 Metern einhaltbar sein.
  • Der Besucherstrom ist nur in eine Richtung zu organisieren. Ein- und Ausgänge sollten wenn möglich getrennt sein.
  • Sofern der Veranstaltungsort über eine Vielzahl an Ein- und Ausgängen verfügt, sollten möglichst alle Türen genutzt werden, um eventuelle Engpässe an einer Tür so gering wie möglich zu halten.
  • Garderoben sollten geschlossen bleiben und Jacken, Mäntel mit an dem Sitzplatz im Saal genommen werden.. Sofern nicht möglich empfiehlt sich ein kontaktloses Garderobensystem.
  • Die Teilnehmerzahl darf 250 nicht übersteigen (Regelobergrenze). Teilnehmende sind Gäste, nicht Beschäftigte und Mitwirkende.
  • Besucher:innen sind verpflichtet, ihren Ausweis mitzuführen und diesen auf Aufforderung sowie beim Kauf von Karten an der Abendkasse vorzulegen.

Bühne

  • Der Aufbau soll so erfolgen, dass zwischen Sänger:in (Vorleser:in, Sprecher:in, Moderator:in) und Publikum ein Mindestabstand von 2 m besteht. In geschlossenen Räumlichkeiten und je nach Art der Darbietung (Operngesang, Theater) und je nach körperlichem Einsatz der Schauspieler:innen und Sänger:innen bedarf es einem größeren Abstand von bis zu 6 m und ggf. Trennwänden.
  • Der Aufbau soll so erfolgen, dass auch zwischen den Musiker:innen ein Abstand von mind. 1,5 m besteht.
  • Die Vocalist:innen werden gebeten, eigene Mikrophone zu verwenden.
  • An der Bühne werden Desinfektionsmittel und Reinigungspapier zur Verfügung stehen.
  • Requisiten sind regelmäßig zu reinigen und ggf. zu desinfizieren. Schauspieler:innen sollten auf ein Anreichen von Requisiten aus dem Off verzichten und sich die Requisiten selbst holen.

Wenn es Verkaufs- oder Merchandisingstände gibt:

  • Die Aussteller:innen präsentieren ihre Produkte auf Tischen. Diese stehen soweit auseinander, dass ein Mindestabstand von 1,5 m zwischen den Aussteller:innen gewährleistet ist. An jedem Stand dürfen nur Mitglieder des gleichen Hausstandes näher als 1,5 m nebeneinandersitzen. Die Tische sind groß genug, um auch diesen Mindestabstand zwischen Aussteller:innen und Besucher:innen zu garantieren.
  • Die Aussteller:innen werden gebeten eine kontaktlose Bezahlung (z.B. mittels einer Geldschale) zu gewährleisten.
  • Die Besucher:innen erreichen die einzelnen Stände entlang eines Einbahnwegeleitsystems.

Außerhalb des Veranstaltungsgeländes

  • Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes oder in einer Gruppe von maximal zehn Personen gestattet. Bei Begegnungen mit anderen Personen ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.
  • Sofern von dem/der Veranstalter:in Parkplätze zur Verfügung gestellt werden, die von Besucher:innen und/oder Mitwirkenden und weiteren am Veranstaltungsbetrieb beteiligten Personen genutzt werden können, sollten Maßnahmen zur Vermeidung von Menschenansammlungen ergriffen werden, beispielsweise durch Einweiser:innen, und, sofern erforderlich, die Parkplatzanzahl beschränkt bzw. Parkplätze gesperrt werden.
  • Sofern ein Transport durch den/die Veranstalter:in vorgesehen ist, müssen die Hygienevorgaben für die Personenbeförderung beachtet werden.

Backstage

  • Separate und gekennzeichnete Räume werden empfohlen, Sammelgarderoben sind zu vermeiden.
  • Jeder Akteur erhält eine Sicherheits- und Hygieneunterweisung.
  • Kostüme werden auf Kleiderständern vor Zutritt der Künstler*innen in die Garderoben gestellt.
  • Duschen-Nutzung: Keine Sammelnutzung, nur Einzelnutzung und ggf. Reinigung vor der nächsten Benutzung.
  • Falls Geschirr, Gläser oder weitere Ausstattung zur Nutzung in die Garderobe gestellt wird, sollte dies vor dem Betreten der Künstler:innen erfolgen.
  • Catering: Es werden ausschließlich geschlossene Getränke & Speisen angeboten.

Verantwortlichkeit

  • Die Pflicht zur Erstellung und Umsetzung eines Hygienekonzepts trifft den/die Veranstalter:in. Dies kann der/die Betreiber:in einer Spielstätte sein. Wird diese vermietet ist der/die Veranstalter:in der-/diejenige, auf deren/dessen Veranlassung die Veranstaltung durchgeführt wird.
  • Dies gilt sinngemäß auch für Proben.

Lüftung

  • Bei Fensterlüftung ist eine Querlüftung optimal, die über einen Durchzug über möglichst gegenüberliegende weit geöffnete Fenster. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass es durch die Lüftung nicht zu einer Verbreitung infektiöser Aerosole in andere Räume kommt.
  • Als wirksam gilt auch eine Stoßlüftung bei weit geöffneten Fenstern über einige Minuten Dauer.
  • Bei Husten und Niesen einzelner Personen sollte sofort eine Stoßlüftung durchgeführt werden.
  • Das bloße Ankippen der Fenster ist kaum wirksam.
  • So viel Außenluft wie möglich in genutzte Räume, Gänge, Wartebereiche etc. einbringen.
  • Die Lüftung der Räume mindestens 15 Minuten vor Benutzung  beginnen, insbesondere dann, wenn sich zuvor andere Personen dort aufgehalten haben.
  • Büros sollten mindestens alle 60 Minuten, Aufführungs- und Besprechungsräume mindestens alle 20 Minuten gelüftet werden.
  • Es wird eine Lüftungsdauer von 3 Minuten im Winter bis 10 Minuten im Sommer empfohlen. 
  • Bei geringen Temperaturdifferenzen zwischen Raum und äußerer Umgebung sowie niedrigen Windgeschwindigkeiten ist der Luftaustausch eher gering. Zusätzliche Maßnahmen wie beispielsweise Stand- oder Tischventilatoren im unmittelbaren Bereich eines weit geöffneten Fensters sind sinnvoll.

Grafiken zum Download

Hygieneregeln Grafik zum Download

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Handhygieneregeln Grafik zum Download

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Lüften Grafik zum Download

 

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Empfehlungen für Musikproben und -veranstaltungen

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7.5.2020
Charité Universitätsmedizin Berlin

Stellungnahme zum Spielbetrieb der Orchester während der COVID-19 Pandemie

epidemiologie.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc01/epidemiologie/downloads/Stellungnahme_Spielbetrieb_Orchester.pdf

[…]
Orchesteraufstellung und Instrumentenempfehlungen:

  • Streicher Stuhlabstand 1,5 m.
  • Bläser Stuhlabstand 2 m, Flüssigkeitsentfernung und Instrumentenreinigung mit Einmaltüchern (zu entsorgen) bzw. Tüchern (zu reinigen), Blechbläser mit zusätzlichem Plexiglasschutz.
  • Schlagzeuger mit Stuhlabstand 1,5 m, Vermeidung der gemeinsamen Nutzung von Instrumenten und Zubehör.
  • Harfen und Tasteninstrumente Stuhlabstand 1,5 m.
  • Dirigent Abstand zu den Orchestermusikerinnen und -musikern mindestens 2 m bei Probe und 1,5 m bei Konzert.

[…]
Besondere Aspekte der Blasinstrumente
Die Musikerinnen und Musiker mit Blasinstrumenten sitzen parallel nebeneinander sowie hintereinander, Bewegungen sind begrenzt und erfolgen ausschließlich auf ihrem Platz. Die Atemfrequenz kann abhängig von den zu spielenden Passagen erhöht sein, in der Regel wird durch den Mund geatmet. Im Hinblick auf Vermeidung von Infektionsgefährdung ist zu betonen, dass die Musikerinnen und Musiker nicht einander gegenüber voneinander sitzen und sich auch nicht ansprechen, allenfalls in der Probensituation gelegentlich. Im Folgenden sollen für die einzelnen Blasinstrumente die jeweiligen Charakteristika in Bezug auf Aerosol- und Tröpfchenbildung sowie Luftströmung dargestellt werden.

Flöte:
Bei der Flöte strömt der überwiegende Anteil der Atemluft nach vorn unten, also in der Hauptrichtung des Anblasstroms (siehe unten). Ein kleiner Teil der Atemluft tritt aus den geöffneten Klappen aus. Bei allen Instrumentenmaterialien (Gold, Silber, etc.) entsteht Kondenswasser, das abhängig von der Außentemperatur am Flötenende abtropft und nach dem Spiel aus dem gesamten Instrument ausgewischt wird. Luftströmung mit Aerosolbildung entsteht somit primär nach vorne, vermutlich zudem auch etwas zur rechten Seite des Spielers. Die Luftmenge sowie der Luftdruck bei Spiel entspricht im Durchschnitt der Luftmenge beim normalen Sprechen, in wenigen Ausnahmen sind Luftmenge und Luftdruck höher.

Oboe:
Bei der Oboe wird die Atemluft durch eine sehr kleine Öffnung (max. 0,3 mm) des Rohrblatts gepresst und strömt durch das Instrument in Richtung des Fußbodens. Infolge der sehr kleinen Lufteintrittsöffnung strömt nur eine sehr geringe Luftmenge durch das Instrument, die weit unter der Luftmenge beim normalen Sprechen liegt. Die Luft tritt in winzigen Mengen auch über die geöffneten Klappen aus. Die Kondenswasserbildung ist gering, da das Instrument aus Holz besteht, es kann Kondenswasser aus dem Instrument abtropfen. Nach dem Spiel wird die Feuchtigkeit aus dem Instrument ausgewischt. Nach Phrasen, in denen durch das Spielen des Instruments nicht genug Luft abgegeben werden kann, entledigt sich die Musikerin/der Musiker durch eine Stoßatmung der überschüssigen Luft.

Klarinette:
Bei der Klarinette wird die Atemluft ebenfalls durch eine kleine Öffnung zwischen einem Rohrblatt und dem Instrumentenholz hindurchgepresst und strömt durch das Instrument in Richtung des Fußbodens. Infolge der kleinen Lufteintrittsöffnung strömt eine Luftmenge durch das Instrument, die geringer ist als die Luftmenge beim normalen Sprechen, jedoch höher als bei der Oboe. Die Luft tritt in kleinen Mengen auch über die geöffneten Klappen aus. Die Kondenswasserbildung ist gering, da das Instrument aus Holz besteht. Nach dem Spiel wird die Feuchtigkeit aus dem Instrument ausgewischt.

Fagott:
Beim Fagott wird die Atemluft durch eine sehr kleine Öffnung des Rohrblatts gepresst und strömt zunächst durch den S-Bogen aus Metall, anschließend durch das Instrument und verlässt den Instrumentenkörper nach oben in den Raum. Infolge der sehr kleinen Lufteintrittsöffnung strömt nur eine sehr geringe Luftmenge durch das Instrument, die weit unter der Luftmenge beim normalen Sprechen liegt. Die Luft tritt in kleinen Mengen auch über die geöffneten Klappen und Tonlöcher aus. Kondenswasser bildet sich hautsächlich im metallenen S-Bogen, im Instrument selbst nur gering, da das Instrument aus Holz besteht. Aus dem Schallstück tritt praktisch kein Aerosol in den Raum mehr aus, da Feuchtigkeit in dem ca. 2,50 m langen hölzernen Rohrsystem absorbiert wird. Während des Spiels muss das Kondenswasser aus dem S-Bogen ggf. mehrfach geleert werden. Nach dem Spiel wird die Feuchtigkeit aus allen Instrumententeilen ausgewischt.

Saxophon:
Das Saxophon besitzt ein relativ weit mensuriertes metallisches Schallrohr mit bis zwischen 0,6 und ca. 3 m Länge. Die Atemluft strömt durch eine kleine Öffnung zwischen einem Rohrblatt und dem Mundstück durch das Instrument und tritt aus dem nach vorne gerichteten Schalltrichter aus. Der Luftstrom entspricht dem beim Spiel der Klarinette. Die Luft tritt in kleinen Mengen auch über die geöffneten Klappen aus. Das sich abhängig von der Umgebungstemperatur bildende Kondenswasser wird durch Wasserklappe abgelassen.

Horn:
Beim Horn strömt die Atemluft durch ein kreisförmig gewundenes Messingrohr von ca. 3,70 m Länge und verlässt das Instrument durch den Schalltrichter nach seitlich rückwärts. Da der Ton durch die Lippenschwingung und konsekutive Luftschwingung im Instrument und nicht durch eine bestimmte Luftmenge entsteht, ist die beim Spiel verwendete Luftmenge sehr gering. Das im Messingrohr abhängig von der Außentemperatur entstehende Kondenswasser wird über mehrere Wasserklappen häufig entleert. In kurzen Spielpausen ist eine Schnellentleerung erforderlich, bei der Kondenswasser unvermeidlich durch die Wasserklappen spritzt.

Trompete:
Bei der Trompete (analog Varianten Flügelhorn und Kornett) strömt die Atemluft durch ein durchweg eng mensuriertes (ca. 12-15 mm) mehrfach gewundenes Messingrohr und verlässt das Instrument über einen Schalltrichter in Blasrichtung nach vorne. Da der Ton durch die Lippenschwingung und konsekutive Luftschwingung im Instrument entsteht und nicht durch eine bestimmte Luftmenge entsteht, ist die beim Spiel verwendete Luftmenge sehr gering. Das im Messingrohr abhängig von der Außentemperatur entstehende Kondenswasser wird über Wasserklappen regelmäßig entleert.

Posaune:
Bei der Posaune strömt die Atemluft durch ein S-förmig gebogenes Messingrohr und verlässt das Instrument über einen Schalltrichter in Blasrichtung nach vorne. Da der Ton durch die Lippenschwingung und konsekutive Luftschwingung im Instrument entsteht und nicht durch eine bestimmte Luftmenge entsteht, ist die beim Spiel verwendete Luftmenge analog zur Trompete sehr gering. Das im Messingrohr abhängig von der Außentemperatur entstehende Kondenswasser wird über eine Wasserklappe regelmäßig entleert.

Tuba:
Bei der Tuba strömt die Atemluft durch ein gewundenes Messingrohr von zwischen ca. 4 und 5 m Länge und verlässt das Instrument über einen Schalltrichter nach oben. Da der Ton durch die Lippenschwingung und konsekutive Luftschwingung im Instrument entsteht und nicht durch eine bestimmte Luftmenge entsteht, ist die beim Spiel verwendete Luftmenge gering, jedoch infolge des deutlich größeren Rohrdurchmessers höher als bei der Trompete. Das im Messingrohr abhängig von der Außentemperatur entstehende Kondenswasser wird regelmäßig über mehrere Wasserklappen entleert.

Besondere Aspekte anderer Instrumente
Streicher:
Die Musikerinnen und Musiker mit Streichinstrumenten sitzen parallel nebeneinander sowie hintereinander, Bewegungen sind begrenzt und erfolgen ausschließlich auf ihrem Platz. Die Atemfrequenz kann abhängig von den zu spielenden Passagen erhöht sein, in der Regel wird durch die Nase geatmet. Im Hinblick auf Vermeidung von Infektionsgefährdung ist zu betonen, dass die Musikerinnen und Musiker nicht einander gegenüber sitzen und sich auch nicht ansprechen, allenfalls in der Probensituation gelegentlich. Eine Gefährdung durch Speicheltröpfchen oder Aerosole ist also deutlich geringer als beim normalen sozialen Kontakt mit Gespräch.

Tasteninstrumente:
Die Musikerinnen und Musiker an Tasteninstrumenten sitzen in der Regel einzeln und bewegen sich um die Körpermitte hierum ausschließlich auf ihrem Platz. Die Atemfrequenz kann abhängig von den zu spielenden Passagen erhöht sein, in der Regel wird durch die Nase geatmet. Der Abstand zu weiteren Musikerinnen und Musikern beträgt in der Regel bedingt durch das Instrument (Klavier, Orgelpositiv, etc.) mindestens 1,5 m.

Harfe:
Harfenisten sitzen einzeln und bewegen sich um die Körpermitte hierum ausschließlich auf ihrem Platz. Mehrere Harfenisten sitzen nebeneinander mit paralleler Blickrichtung. Die Atemfrequenz kann abhängig von den zu spielenden Passagen erhöht sein, in der Regel wird durch die Nase geatmet. Der Abstand zu weiteren Musikern beträgt in der Regel bedingt durch das Instrument mindestens 1,5 m.

Schlagzeug, Pauke:
Musikerinnen und Musiker an den Schlagzeugen sitzen oder stehen einzeln und bedingt durch Größe und Aufbau der Instrumente mit mehr als 1,5 m Abstand. Abhängig vom Werk müssen sie sich zwischen mehreren Instrumenten hin und her bewegen. Üblicherweise kommt es bei größeren Werken mit umfangreicherer Schlagzeug-Besetzung zu Begegnungen auf engem Raum sowie Austausch von Paukenschlegeln und anderen Instrumententeilen zwischen den Musikerinnen und Musikern.

[…]

Spezifische Empfehlungen
In der Musikergruppe mit Blasinstrumenten mit Aerosolproduktion und Tröpfchenbildung sind spezifische Hygienemaßnahmen im Hinblick auf folgende Aspekte zu entwickeln:

  • Umgang mit tropfendem Kondenswasser oder Speichel in den Instrumenten:
    Das im bisherigen Spielbetrieb übliche Verfahren, Flüssigkeit auf den Boden tropfen zu lassen oder auszukippen, ist unbedingt zu vermeiden, da diese Flüssigkeit potenziell infektiös sein kann. Flüssigkeiten sind in Einwegtüchern aufzufangen, die nach der Probe bzw. nach dem Konzert zu entsorgen sind. Die Reinigung der Instrumente (Blech und Holz) nach dem Spiel sollte, wenn dies möglich ist, ebenfalls mit Einwegtüchern erfolgen, die nach der Verwendung entsorgt werden. Falls besondere Materialien für die Reinigung erforderlich sind, müssen diese nach dem Gebrauch mit mindestens 70 Grad warmem Wasser gewaschen werden. Für empfindliche Materialien sind auch niedrigere Temperaturen mit desinfizierendem Waschmittel ausreichend. Der Reinigungsversuch von Kondenswasser aus Klappen durch heftiges Pusten während der Spielpausen sollte vermieden werden. Nach dem Kontakt mit der Flüssigkeit beim Reinigen des Instruments sollen die Hände gewaschen oder desinfiziert werden. Die Reinigung der Instrumente obliegt den Musikerinnen und Musikern.
  • Nach dem Spielbetrieb sollte der Fußboden im Arbeitsbereich der Blasinstrumentengruppe gründlich gereinigt werden.
  • Zur Vermeidung der Kontaminierung des Arbeitsplatzes des Nachbarn sollte bei Musikerinnen und Musikern mit Blasinstrumenten ein Abstand von 2 m eingehalten werden.
  • Zur Vermeidung der Verteilung von Aerosol in den Arbeitsbereich der Streicher oder anderer vor der Blechbläsergruppe sitzenden Musikerinnen und Musikern sollte ein Schutz aus transparentem Material aufgestellt werden, der den Schalltrichter der jeweiligen Instrumente ausreichend überragt, so dass auch bei Bewegung des Instrumentes beim Spiel ein auseichender Schutz gewährt ist. Viele Orchester arbeiten ohnehin aus Gründen des Lärmschutzes der Musikerinnen und Musiker mit derartigen Schildern meist aus Plexiglas, und eine Beeinträchtigung des Klangbildes ist gering.
  • Nach einer Probe/ einem Konzert sind Notenständer und andere Arbeitsflächen im Umfeld der Bläser zu reinigen, incl. des unter d) genannten Schutzschirms (siehe auch allg. Empfehlungen)

In der Musikergruppe mit Streichinstrumenten wird ein Stuhlabstand von ca. 1,5 m empfohlen.

In der Musikergruppe mit Harfen und Tasteninstrumente sollte ein Stuhlabstand von 1,5 m eingehalten werden.

Bei der Verwendung von Dienstinstrumenten sollte auf einen Wechsel der Instrumente zwischen verschiedenen Musikerinnen und Musikern verzichtet werden. Falls ein Wechsel erforderlich ist, sollte das Instrument 72 Stunden nicht verwendet werden, um sicherzustellen, dass das Instrument nicht mehr viruskontaminiert ist.

Der Dirigent/die Dirigentin spricht in der Probe üblicherweise auch mit direkt gegenüber positionierten Orchestermusikern, daher sollten in der Probensituation 2 m und im Konzert 1,5 m Mindestabstand zu den Musikerinnen und Musikern eingehalten werden.

Orchesterwarte sollten Schutzhandschuhe tragen, da sie in ihrem Aufgabenbereich einem höheren Risiko ausgesetzt sind, mit Virus kontaminierte Flächen zu berühren.

[…]

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4.5.2020
Charité Klinik für Audiologie und Phoniatrie / Institut für Hygiene und Umweltmedizin

Beurteilung der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2-Viren beim Singen

audiologie-phoniatrie.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc16/audiologie/Allgemein/Singen_und_SARS-CoV-2_Prof._M%C3%BCrbe_et_al._04052020.pdf

[…]

Bereits in der Lunge werden Mikroaerosole gebildet, die beim Singen nach außen getragen werden. Auch durch die Berührungen der schwingenden Stimmlippen entstehen annehmbar Aerosole, die vom Atemstrom aufgenommen werden. Größere Partikel können aber insbesondere bei der Artikulation von Konsonanten im Bereich des Vokaltraktes entstehen. Während stimmlose Konsonanten durch die strömende Atemluft an Hemmstellen im Vokaltrakt gebildet werden, sind bei stimmhaften Konsonanten zudem im Kehlkopf erzeugte Klanganteile eingebunden. Entsprechend dem Mechanismus der Bildung von Konsonanten werden verschiedene Lautgruppen unterschieden. Beispielhaft seien Reibelaute (Frikative), wie /f/, oder Verschlusslaute (Plosive), wie /p/ und /t/, genannt. Anhand dieser Mechanismen ist auch die Bildung größerer Tröpfchen plausibel, die verbunden mit stärkerer Ausbreitung beim Sprechen zu „feuchter Aussprache“ führen können.

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Einzelunterricht Gesang
Zahlreiche Maßnahmen zur Verringerung der Infektionsgefahr sind beim Einzelunterricht gegeben oder lassen sich in großem Umfang ausschöpfen, um unter optimierten Bedingungen Unterricht zu ermöglichen. Praktikable Maßnahmen sind insbesondere:

  • Begrenzung auf zwei im Raum befindliche Personen
  • Auswahl des größtmöglichen Unterrichtsraumes
  • Konsequenter Abstand zum Lehrenden von mindestens 3 Metern
  • Ggf. Einsatz eines Spritz- und Spuckschutzes = Tröpfchenschutz (Plexiglasaufsteller/-aufhänger)
  • permanente oder häufige Lüftung bzw. Reduktion/Unterbrechung der Unterrichtszeit
  • Mund-Nasen-Schutz des Lehrenden
  • so wenig Kontakt wie möglich zu Oberflächen

In der typischen Situation zahlreicher aufeinander folgender Studierender ist eine Zwischendesinfektion möglicherweise kontaminierter Flächen, z. B. Türklinke, und Händehygiene zu empfehlen.

Gemeinsames Singen im öffentlichen Raum (Beispiel Gottesdienst)
Behördliche Entscheidungen zur Durchführbarkeit von Veranstaltungen im öffentlichen Raum sind aktuell in der Regel an konkrete Teilnehmerzahlen und Abstandsgebote gebunden. Für den Beispielfall eines genehmigten Gottesdienstes erscheint der Einbezug von Gesang in üblichem Umfang insbesondere bei nachfolgenden Rahmenbedingungen vertretbar:

  • Vergleichsweise großes Raumvolumen
  • Ggf. zusätzliche Lüftung
  • Mund-Nasen-Schutz der mit Abstand platzierten Gemeindemitglieder
  • so wenig Kontakt wie möglich zu Oberflächen

Der zeitliche Umfang des Singens im Vergleich zur Gesamtdauer ist vergleichsweise gering, eine deutliche Begrenzung möglicher artikulatorisch bedingter Tröpfchen durch das Tragen einer Maske realistisch.

Chor-/ Ensemblegesang
Gemeinsames Singen im Chor/Ensemble ist weiter kritisch zu beurteilen. Einerseits ist aufgrund der Mitgliederzahl häufig eine Umsetzung des Abstandsgebotes nicht möglich. Die kumulative Zeit des Singens im Rahmen der Gesamtdauer einer Chorprobe ist hoch, die Raumgröße und Lüftungsmöglichkeiten im Probenbereich sind in Bezug zur Teilnehmerzahl oft unbefriedigend. Im professionellen, aber auch semiprofessionellen Bereich ist eher von einer erhöhten artikulatorischen Aktivität beim Singen auszugehen. Eine Reduktion von Tröpfchen und Aerosolen durch Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wäre prinzipiell möglich. Trotz geringer akustischer Konsequenzen ist aber die Praktikabilität im künstlerischen Kontext fraglich. Zudem erhöht sich durch Dauer und Intensität des Singens die Gefahr, dass die Maske durchfeuchtet wird und ihre Schutzfunktion abnimmt.

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